„Bin ich ein Mensch?“

12.02.2023Fächer

Kursstufenschüler des KGW setzen sich mit Büchners „Woyzeck“ auseinander​

Anstatt wie sonst selbst klassische Lektüre zu interpretieren, durften sich die Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Deutsch des Kopernikus-Gymnasiums einfach mal zurücklehnen und eine Interpretation genießen – und das direkt im Klassenzimmer.

 Das THEATERmobileSPIELE, ein mobiles Theater aus Karlsruhe, das seine Inszenierungen direkt an Schulen aufführt, war zu Gast und führte Georg Büchners „Woyzeck“ auf.

Wer das Stück kennt, der weiß, dass der Begriff „genießen“ an dieser Stelle eigentlich nicht passt. Die Figur Woyzeck dabei zu beobachten, wie sie gedemütigt, gequält und geschwächt zum Mörder wird, war nicht angenehm und führte den Deutsch-Kursen vor Augen, was es bedeutet, wenn ein Mensch durch die äußeren Umstände allmählich seine Menschlichkeit verliert. „Eklig“ sei es laut der Schülerinnen und Schüler gewesen, wenn Woyzeck auf allen Vieren zu seinem Napf mit Erbsen kroch, jedes Mal, wenn der Befehlston ertönte. „Abstoßend“, wenn er schmatzend und würgend die Erbsen in sich hineinfraß.

Ungewöhnlich war auch die Tatsache, dass nur ein Schauspieler agierte, der sich allen Rollen annahm. Mit Hilfe von Puppen, die er durch Bewegung und Stimme zum Leben erweckte, wurde deutlich, wie einsam die Figur Woyzeck inmitten anderer agieren muss. Als verzerrte Fratzen wurden die Puppen in der Nachbesprechung beschrieben – alptraumartig – wie auch die Kulisse, die zwischen Müllhalde und Schlachtfeld schwankte und damit den inneren Zustand des Protagonisten sehr deutlich widerspiegelte.

Büchner schont seine Leserschaft in keinem seiner Werke und das hat auch diese Inszenierung nicht getan. Aber die Schülerinnen und Schüler waren sich einig darin, dass es gerade das ist, was uns darüber nachdenken lässt, was das Stück mit uns selbst zu tun hat. Das ist dem Schauspieler wirklich gelungen!

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